“Der Peymann, die Mullahs und der Tod” II

Rede auf der Kundgebung gegen Peymann am 8.2.08 vor dem Berliner Ensemble

von Tjark Kunstreich  

Verehrtes Premierenpublikum!

Sie wollen sich heute Abend Claus Peymanns Inszenierung von Shakespeares „Richard III.“ ansehen und sind nun mit einem Häuflein Protestierender konfrontiert, die Ihnen den reibungslosen Premierenabend ein wenig vergällen.

Wir sind hier, um Sie darauf aufmerksam zu machen, dass das Berliner Ensemble in der kommenden Woche nach Teheran fährt und dort Brechts Antikriegsstück „Mutter Courage und ihre Kinder“ aufführen wird. Peymann und seine Truppe fahren in ein Land, in dem es die Freiheit der Kunst nicht gibt – auf der Bühne müssen Frauen sich verschleiern, es darf nicht getanzt werden, Berührungen von Männern und Frauen sind verboten. Interessanterweise hat Peymann mit „Mutter Courage“ nicht nur ein Antikriegsstück ausgesucht, sondern auch eines, in dem die Darstellerinnen ohnehin Kopftücher tragen, in der sowieso nicht getanzt wird und Berührungen der Geschlechter kaum stattfinden.

Peymann und seine Truppe fahren in ein Land, das Krieg führt. Peymann behauptet fortwährend, der Iran sei das Opfer des Westens, deswegen würde er fahren. Dass der Iran die Terrortrupps von Hamas und Hisbollah finanziert und damit den Krieg gegen Israel, schert ihn nicht, denn in seinen Augen sind einzig die Palästinenser die Opfer.

Der Iran droht Israel mit atomarer Vernichtung und arbeitet am Bau von Atomwaffen – der Iran ist nicht das Opfer, sondern der Aggressor. Peymann behauptet aber auch, seine Reise sei nicht politisch – er fährt in ein Land, in dem öffentliche Hinrichtungen stattfinden. Allein in Teheran wurden im vergangenen Sommer zehntausende Frauen öffentlich erniedrigt, verprügelt oder eingesperrt wegen Verstößen gegen die islamischen Bekleidungsvorschriften.

Das iranische Regime führt auch einen Krieg nach innen gegen alle, die sich nicht der Scharia zu unterwerfen gedenken oder auch nur zufällig mit den Tugendwächtern in Konflikt geraten.

Hätte Peymann auch nur ein Funken der Häme und des Hasses, die er ansonsten über Amerika ausschüttet, für den Iran und seinen Präsidenten Ahmadinedjad übrig: Anstatt in Teheran aufzutreten, würde er das Berliner Ensemble den iranischen Emigranten öffnen, die hierzulande aus der Öffentlichkeit ausgeschlossen werden, weil man nicht bereit ist, die Wahrheit über das faschistische Regime des Iran zur Kenntnis zu nehmen.

Selbstverständlich erkennt Peymann mit seiner Reise die Zustände im Iran an, das tun alle europäischen Kulturschaffenden, die, mit welcher Begründung auch immer, Verhältnisse verharmlosen, unter denen sie selbst nicht einen Tag wirklich leben wollen würden.

Claus Peymann lügt. Er lügt, wenn er in Übereinstimmung mit dem Regime den Iran als Opfer des Westens begreift, und er macht sich zum Propagandisten des Regimes, wenn er so tut, als sei unschuldiger Kunstgenuss in einem Land des Tugendterrors möglich. Er lügt, wenn er behauptet, die Bundesregierung sei gegen seine Reise nach Teheran – wissend, dass Außenminister Steinmeyer im vergangenen Jahr die Schirmherrschaft über die Reise der Osnabrücker Symphoniker übernommen hatte.

Peymann behauptet ferner, die Reise sei ein unpolitisches Geschenk an die Theaterbegeisterten Bürger Teherans – die Reise ist auf einmal eine rein kulturelle Angelegenheit, obwohl er doch zuvor kundtut, in Sachen Krieg und Frieden unterwegs zu sein. Diese ist die dreisteste Lüge Peymanns: sich in dem Moment, in dem der politische Charakter seiner Reise evident wird, auf die Autonomie der Kunst zurückzuziehen, als deren Gegner er sich sonst immer begriffen hatte – und die es im Iran schon gar nicht gibt.

Es muss Schluss sein mit der Verharmlosung der Zustände im Iran – deswegen wenden wir uns gegen Peymanns Kollaboration mit dem antisemitischen Terror-Regime der Mullahs.

die jüdische“ 09.02.2008

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