Archiv für August, 2008

Stoppt den Steiner-Deal mit dem Iran!

Posted in Action with tags , , , , , , , on August 28, 2008 by Antifa Toscanini

 

 

Liebe Freunde, 

nicht alle Menschen müssen Philantropen sein.

Aber niemand sollte sich auf den Tiefpunkt der

menschlichen Niedrigkeit begeben, um Umsatz

zu machen.

Und dieser Tiefpunkt ist erreicht, wenn man mit

Verbechern Geschäfte macht.

Genau das tut die Firma Steiner in Siegen und

liefert an den Iran Anlagen zur Gasverflüssigung.

Weder die massenhaften Hinrichtungen im Iran

noch der Mord an zehntausenden Bahai, weder

Steinigungen noch Folter, weder brutale Frauen –

Unterdrückung noch apokalyptische Drohungen

des wahnwitzigen iranischen Präsidenten sind

für die Steiner-Prematechnik-Gastec GmbH ein

Grund, auf ein feines Geschäft zu verzichten.

Gasverflüssigung hat für das Mullah-Regime im

Iran strategischer Bedeutung. Steiner sabotiert

damit die Sanktionen gegen den Iran – und damit

die einzige Chance, den Konflikt ohne militärische

Mittel beizulegen.

Am kommenden Samstag, 30. August findet eine

Demonstration gegen dieses Verbrechergeschäft

statt, organisiert von Pro -Israel – Initiative „never

again.“

Eine zahlreiche Beteiligung ist auch wichtig, um

andere Firmen vor der Versuchung zu warnen.

Eine zahlreiche Beteiligung ist für Israel wichtig –

aber nicht nur. Ahmadinedschad in seinem Wahn

verfügt heute bereits über Raketen, die Europa

und Deutschland erreichen und investiert massiv

in immer weitreichendere Raketen.

Steiner unterstützt eine ernste, wachsende Gefahr.

Alle Details zur Demonstration im Anhang.

Shalom

Leo Sucharewicz

ILI

Dipl.sc.pol. Leo Sucharewicz
ILI – I Like Israel e.V.
Vorstand

 

 

Stop the Steiner deal with Iran!!!

Posted in Action with tags , , , , , on August 26, 2008 by Antifa Toscanini

Samstag, 30. August 2008, Siegen (Deutschland)

 

Kundgebung: Keine Geschäfte mit den Mullahs! Stoppt den Steiner-Deal mit dem Iran!
15:00 Uhr, Siegplatte an der Fußgängerzone Bahnhofstraße

Diskussionsveranstaltung: Das iranische Regime, die Bedrohung Israels und die deutschen Iran-Geschäfte

19:00 Uhr, Siegbergstraße 1 (gegenüber dem unteren Eingang von Karstadt)
Mit Beiträgen von Roger Bückert (Pro-Israel-Initiative Never again!), Kazem Moussavi (Green Party of Iran), Stephan Grigat (Café Critique), Simone Dinah Hartmann (STOP THE BOMB), Jonathan Weckerle (Mideast Freedom Forum Berlin)
Moderation: Alex Feuerherdt

Unterstützer / Aufrufende Gruppen:
Pro-Israel-Initiative „neveragain“ (Siegen), STOP THE BOMB – Bündnis gegen das iranische
Vernichtungsprogramm
(Wien), Mideast Freedom Forum Berlin, Green Party of Iran (Deutschland),
Zionistische Organisation Deutschland, B’nai B’rith Europe, WIZO Deutschland e.V. – Women’s International
Zionist Organisation
, BAK Shalom der Linksjugend [’solid], Autonome Antifa Siegen, Prozionistische Linke
Frankfurt
, WADI e.V. (Frankfurt), Jerusalem Zentrum (Berlin), Café Critique (Wien), ILI – I Like Israel e.V.
(München), Antifa 3D (Duisburg), Internetportal J-Comm Jewish Community (Köln), Projekt L (Siegen), Antifa
ON
(Innsbruck), take care (Frankfurt), Hamburger Studienbibliothek, Anti Nationale Nürnberger Antifa
(A.N.N.A.).

Kontakt und Presse:

Email: info@mideastfreedomforum.org
Tel.: +49 (0)30 8733 3417
Fax: +49 (0)30 700 143 1010
Ausführliche Informationen zum Iran-Geschäft der Firma Steiner sowie aktuelle Informationen zur Kundgebung und Veranstaltung:
www.mideastfreedomforum.org 
www.stopthebomb.net

 

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Die Welt blickt nach Peking und vergisst Darfur!

Posted in Uncategorized with tags , , on August 7, 2008 by Antifa Toscanini

 

Die Würde des Islam ist unantastbar

Posted in Islamismus & Terrorismus with tags , , , on August 7, 2008 by Antifa Toscanini

Kurz vor dem 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen dabei, die Grundgedanken dieser Erklärung ins Gegenteil zu verkehren.

von Udo Wolter

Der britische Historiker David Littman kam nicht weit, als er Mitte Juni vor dem UN-Menschenrechtsrat (UNHRC) Genitalverstümmelungen sowie Steinigungen und Zwangsverheiratungen in Ländern unter dem islamischen Gesetz der Sharia thematisieren wollte. Noch bevor er überhaupt den ersten Satz seiner Erklärung für die NGO »Association for World Education« und »International Humanist and Ethical Union« (IHEU) vortragen konnte, wurde er durch Ordnungsrufe zuerst des pakistanischen und dann des ägyp­tischen Delegierten unterbrochen. Beide verbaten sich vehement jede Diskussion der Sharia vor dem UN-Gremium. Als Littman nach einigem Hin und Her sein Statement fortsetzen konnte, wiederholten sich die Störmanöver praktisch nach jedem seiner Sätze. »Mein Punkt ist, dass der Islam in diesem Rat nicht gekreuzigt werden wird!« rief der ägyptische Delegierte auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung aus. Der rumänische Ratspräsident Doru Costea forderte schließlich den NGO-Sprecher auf, von jeglicher »Beurteilung oder Bewertung einer bestimmten Religion« Abstand zu nehmen, und schloss damit jede weitere Thematisierung der Sharia vor dem Menschenrechtsrat aus.

Nicht viel besser erging es im März dem IHEU-Repräsentanten bei der UN in Genf, Roy Brown, als er vor dem Menschenrechtsrat auf Widersprüche zwischen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 und der 1990 verabschiedeten »Kairoer Deklaration der Menschenrechte im Islam« hinweisen wollte, welche die Menschenrechte allein aus der Sharia ableitet. Auch er wurde nach nur wenigen Sätzen von ständigen Ordnungsrufen unterbrochen: »Es ist eine Beleidigung unseres Glaubens, die Sharia hier in diesem Forum zu diskutieren«, empörte sich der pakistanische Delegierte, während der ägyptische kategorisch erklärte: »Sharia is not under discussion here.«

Beide Vorfälle, die in der deutschen Medien­bericht­erstattung übrigens vernachlässigt wurden, gehören zu den Bestrebungen, im UNHRC jegliche kritische Diskussion über Religionen und insbesondere über den Islam zu tabuisieren. Selbst die gerade aus dem Amt geschiedene UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour drückte ihre Besorgnis darüber aus. Diese Bestrebungen werden von den Ländern der 57 Staaten umfassenden Organisation der islamischen Konferenz verfolgt, die mit 17 Sitzen ein Drittel der Stimmen im UNHRC innehaben. Mitgetragen werden sie von meist autoritär regierten Staaten, darunter China, Russland und Kuba, und auch vom päpstlichen Beobachter beim Menschenrechtsrat. Dies führte zur Verabschiedung einer skandalösen Klausel der Resolution »Mandat des Sonderberichterstatters zur Beförderung und des Schutzes der Meinungs- und Ausdrucksfreiheit«, welche von diesem Berichterstatter fordert, »über Fälle zu berichten, in denen der Missbrauch der Meinungsfreiheit den Tatbestand der rassistischen oder religiösen Diskriminierung erfüllt«. Die Meinungsfreiheit soll also durch die Verfolgung ihres »Missbrauchs« geschützt werden, wobei gleich noch Religions­kritik mit Rassismus gleichgesetzt wird.

Die Resolution rief denn auch den Protest des Weltzeitungsverbandes und des Weltverlegerforums hervor, die Anfang Juni in einer gemeinsamen Erklärung die »wiederholten Versuche des UNHRC« verurteilten, die »Meinungsfreiheit im Namen des Schutzes religiöser Gefühle zu unterminieren«. Sie erinnerten die UN daran, dass es die Aufgabe des UNHRC sei, »die Meinungsfreiheit zu schützen, und nicht auf das Ersuchen von Autokratien die Zensur von Meinungen zu unterstützen«.

Dass es bei dieser Verkehrung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit vor allem um den Islam geht, belegen nicht nur die geschilderten Vorfälle. Die UNHRC-Vertreter der Organisation der islamischen Konferenz und ihre Unterstützer haben im Menschenrechtsrat eine ganze Reihe von Resolutionen wie etwa die zur »Bekämpfung der Diffamierung von Religionen« durchgesetzt, die konkret einzig den Islam erwähnt und in der die »Islamophobie« als besonders bekämpfenswertes Übel hervorgehoben wird. Dieser politische Kampfbegriff des Islamismus wird in einer anderen Erklärung des UNHRC dieses Jahres durch die seltsame Aufzählung »Anti-Semitism, Christianophobia, Islamophobia« mit dem Antisemitismus gleichgesetzt, der hier aber offenbar auf den Aspekt der religiösen Diskriminierung verkürzt und so relativiert wird.

Die ganze Dimension dieser schleichenden Islamisierung der Menschenrechte im UNHRC läuft auf die Verkehrung der Grundgedanken der vor 60 Jahren von der Uno verabschiedeten Allgemeinen Menschenrechtserklärung in ihr Gegenteil hinaus. Das lässt sich an mehreren Aspekten festmachen. Zunächst würden mit der Einführung des Schutzes von Religionen als Ganzem individuelle Menschenrechte – darunter auch das der freien Religionsausübung – durch das Recht von Gruppen ersetzt, die ihrerseits durchaus als Zwangs­gemeinschaften in menschenrechtsverletzender Weise Herrschaft ausüben. Eben die in vielen islamischen Ländern gültige Sharia liefert dafür so gut wie täglich Beispiele. Deshalb sind die Menschenrechte mit gutem Grund jedem einzelnen Menschen zustehende Individualrechte, auf die sich keine Gruppen, schon gar nicht imaginäre Großgruppen wie weltweite Religionsgemeinschaften, berufen können.

Doch diese Auffassung ist schon seit Jahren, ja bereits in den Debatten um die Verabschiedung der Allgemeinen Menschenrechtserklärung, seitens antikolonial gestimmter Kulturrelativisten als »westliches Konstrukt« denunziert worden. Zur Abhilfe forderten die Kulturrelativisten bereits damals, die »westlichen« Individualrechte des Menschenrechtskatalogs um Gruppenrechte zu »ergänzen«. Unter den Auspizien postmoderner Theorien und vor allem im Zuge der Entwicklungen nach dem 11. September 2001 hat sich das kulturrelativistische Menschenrechtsverständnis ganz und gar durchgesetzt. Dies hat es den »die Freiheit einschränkenden Staaten« leicht gemacht, »die Uno in Richtung einer differenzi­alistischen Sichtweise der Menschenrechte zu drängen«, wie die französische Autorin Caroline Fourest im April in Le Monde kritisierte.

Dazu kommt noch ein falsch verstandener Antirassismus, der aus den kolonialistischen Verbrechen der europäischen Vergangenheit vor allem den Schluss gezogen hat, Kultur und religiöse Gebräuche des »Anderen« mit einer mystifizierenden Aura der Unantastbarkeit zu umgeben. Das vernebelte den Blick dafür, tatsächlichen Rassismus vom Gebrauch des Rassismusvorwurfs zu unterscheiden, der zum Ziel hat, »interne« Herrschaftsansprüche gegen jede Kritik von »außen« zu schützen. Dies führte offenbar zum Ausfall der Abwehrkräfte gegenüber den neuen Gefahren totaler Herrschaft, wie sie zurzeit vor allem vom Islamismus repräsentiert werden.

Anders lässt sich kaum der unglaubliche Vorgang erklären, dass die Resolution zur Einschränkung der Meinungsfreiheit im Namen des Schutzes religiöser Gefühle beim UNHRC ohne Gegenstimmen mit 15 Enthaltungen durchging. Diese Passivität gerade auch der EU und Deutschlands kann nur als Komplizenschaft bei der Einschränkung grundlegender Menschenrechte gewertet werden. Die nach ihrem eigenen Verständnis von den Verbrechen ihrer Vergangenheit geläuterten Europäer sitzen im Menschenrechtsrat der UN und sehen seelenruhig zu, wie sich dort die Racketstaaten anschicken, die allgemeinen, unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechte im sechzigsten Jahr ihrer Erklärung durch die UN ihres Sinngehaltes zu berauben und in ihr Gegenteil zu verkehren.

Der UNHRC ist ebenso zur Geisel von Racketstaaten und autokratischen Regimes geworden wie ihre aus diesem Grund aufgelöste Vorgängerin, die UN-Menschenrechtskommission (siehe Seite 5). Das lässt sich an der Rede vom »Missbrauch« des Grundrechts der Meinungsfreiheit ablesen. Dies ist die klassische Sprache, mit der Diktatoren und Rackets ihre Herrschaft begründen. Vorgeführt wurde dies etwa kürzlich in Zimbabwe, als Schlägertrupps die »Demokratie« vor ihrem »Missbrauch« schützten, indem sie dafür sorgten, dass der senile Despot Robert Mugabe nach dem Wahlsieg der Opposition nicht abgelöst wurde. Mugabes Regime kann als Musterbeispiel für einen postkolonialen Staat gelten, der zur reinen Racketherrschaft verkommen ist. Konnte der klassische antikoloniale Widerstand noch als »Herbeiführung des wirklichen Ausnahmezustands« in dem emanzipatorischen Sinn gelten, wie Walter Benjamin dies einst in seinen geschichtsphilosophischen Thesen formuliert hatte, so stellten zum Beispiel in Zimbabwe die Rackets und Herrschaftscliquen zahlreicher postkolonialer Regimes die Formel schnell wieder von den Füßen auf den Kopf, ganz im Sinne Carl Schmitts: Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand gebietet. Und diese mithilfe des permanenten Ausnahmezustands herrschenden Regimes bestimmen im UNHRC ebenso die Agenda wie in der alten Menschenrechtskommission.

Nach Einschätzung unabhängiger Menschenrechtsorganisationen werden mehr als die Hälfte der im UNHRC vertretenen Staaten autokratisch regiert oder weisen zumindest schwere Demokratiedefizite auf. Nach dem Ende der Blockkonfrontation übernahmen die Staaten der Organisation der islamischen Konferenz mit ihrer islamischen Gemeinschaftsideologie immer mehr die führende Rolle bei der Aushöhlung universell gültiger Menschenrechte.

So konnte sich der UNHRC ebenso wie die Uno selbst weder zu einer klaren Verurteilung des Regimes in Zimbabwe noch des Sudan wegen des Massenmordens in Darfur durchringen. Stattdessen beschäftigt sich das Menschenrechtsgremium der UN wie sein Vorgänger geradezu obsessiv mit Israel. Nicht weniger als 120 Mal stand dieses Thema im vorigen Jahr auf der Agenda, die NGO UN-Watch hat in den vergangenen beiden Jahren allein 19 antiisraelische Resolutionen gezählt. Dieses Missverhältnis führten auch die USA als Begründung an, als sie im Juni ihren Beobachterstatus beim UNHRC zurückgaben. US-Außenministerin Condoleezza Rice meinte, dass es wenig bringe, sich an einem Gremium zu beteiligen, welches nur Israel angreife. Schlimmes ist in dieser Hinsicht auch von der für das Frühjahr 2009 geplanten UN-Antirassismuskonferenz »Durban II« zu befürchten (siehe Seite 4).

Es ist zu begrüßen, wenn immer mehr Stimmen eine Auflösung oder zumindest eine wirk­liche Reform des UN-Menschenrechtsrats fordern, die wieder eine Arbeit gemäß den Prinzipien der Allgemeinen Menschenrechtserklärung sicherstellt. Fragt sich nur, wie das unter den gegebenen internationalen Verhältnissen zu institutionalisieren sein soll.

 

http://jungle-world.com/artikel/2008/32/22381.html

 

Documenta mit Tirolerhut

Posted in (Süd-)Tirol und Trentino with tags , , , , , , , , on August 4, 2008 by Antifa Toscanini

 

Die Manifesta in der idyllischen Alpenregion Trentino-Südtirol ist eine Art Event der Superlative.

von Sonja Eismann

Was ist in der Manifesta drin? Die Künstler denken über Europa nach, zum Beispiel wie es ist, wenn es in einem Land mehrere Sprachen gibt, und dann machen sie etwas Schönes daraus.« So erklärt Hedwig Fijen, die Direktorin der Manifesta-Stiftung, in einem begleitenden, speziell an Kinder gerichteten »Work­­­book« die Mammut-Ausstellung in der Alpenregion. Viele der BesucherInnen, die wie der Ochs vorm Berg vor den gigantomanischen Ausmaßen der weltweit drittbedeutendsten zeitgenössischen Kunstschau stehen, sehnen sich vermut­lich auch nach einem so beruhigend simplifizierenden Überblick. Die Angaben, wie viele Artists denn nun tatsächlich geladen wurden, schwanken von 188 (offiziell) über 230 (für diePresse geschätzt) bis zu 400 (vom Publikum gefühlt) – Documenta und Venedig Biennale, die beiden Erstplatzierten im Kunstbedeutungsfeld, hatten im vergangenen Jahr zusammengenommen nur 250.

Verifizierbar aber ist, dass die Manifesta, die zuvor im Zweijahresrhythmus in Rotterdam, Luxemburg, Ljubljana, Frankfurt und San Sebas­tian abgehalten worden war und vor zwei Jahren in Nicosia/Zypern grandios scheiterte, dieses Jahr zum ersten Mal an vier Orten entlang einer 150 km langen Nord-Süd-Achse stattfindet: in Franzensfeste, Bozen, Trient und Rovereto.

Die drei kuratorischen Teams – Adam Budak (Graz/Krakau), Anselm Franke/Hila Peleg (Berlin/Antwerpen/Tel Aviv) und das Raqs Media Collective (New Delhi) setzten in der Auswahl der Lokalitäten nicht auf die umwerfenden land­schaftlichen Schönheiten der Ferienregion, die zahllosen Deutschen durch Wandertouren mit den Eltern oder das Durchbrettern in Richtung Süden bekannt sind, sondern bevorzugen alternative, weniger pittoreske Örtlichkeiten. So wird in Bozen das seit 2004 unter Denkmalschutz stehende Alumix, ein 1936 unter Mussolini errichtetes rationalistisches Aluminium-Werk, durch das die Rüstungsindustrie beliefert und die mehrheitlich deutschsprachige Region durch den Zuzug (süd)italienischer Arbeiter italianisiert werden sollte, vom Raqs Media Collective unter dem Motto »The Rest of Now« bespielt. In Trient, wo Franke und Peleg mit dem von einer Zeichnung Sergej Eisensteins entlehn­ten Motto »The Soul or Much Trouble With the Transportation of Souls« an die Umwälzungen des Konzils von Trient im 16. Jahrhundert erinnern, das als katholische Antwort auf die Reformation erstmals eine Konzeptualisierung eines »inneren Selbst« formulierte, kommt mit dem Palazzo delle Poste des faschistisch-futuris­tischen Chef-Architekten Angiolo Mazzoni ein weiterer Bau des Rationalismus zum Einsatz. Adam Budak beruft sich in Rovereto, mit seinen 35 000 EinwohnerInnen bis dato kleinster Austragungsort einer Manifesta, mit einer alten Tabakproduktionsstätte, einer ehemaligen Kakaofabrik und einem Teil des Bahnhofs auf Ernst Blochs »Prinzip Hoffnung« und Ken­neth Framptons »Kritischen Regionalismus«. Die Franzensfeste, eine 1838 von der österreichischen Monarchie fertiggestellte massive Festung, die als Reaktion auf einen Hinterhalt in den Napoleonischen Kriegen den Nord-Süd-Durchgang sichern sollte, letztlich aber nie angegriffen wurde, ist der einzige Ausstellungsort, der von allen drei Teams gemeinsam kuratiert wurde. Motto hier, ganz schlicht: »Scenarios«.

Bereits die Gründung der postuniversitären Forschungsinstitution Eurac und der dreisprachigen Universität Bozen, die Installation des Museums für moderne Kunst (Mart) in Rovereto sowie zuletzt im Mai die Eröffnung des über 30 Millionen Euro teuren, repräsentativen Klotzes des Museion direkt am Ufer der Talfer machen klar, wohin die Reise in der dreisprachigen, wirtschaftlich überaus prosperierenden autonomen Region Trentino-Südtirol gehen soll: Die biederen deutschen Gamsbarthut-Fans, die von der ursprünglichen Trachten-Folklore und Speckknödeln schwärmen, hat man schon lange im Sack, jetzt will man auch noch den hoch­preisigen Kulturtourismus-Sektor erschließen. Dass das mit dem entstaubten Image noch nicht so ganz klappen möchte, beweisen vorerst die provinzpossenhaften Ereiferungen rund um den mit einem Bierkrug an ein Kreuz genagelten Frosch Martin Kippenbergers, der mittlerweile im Erdgeschoss des Museion peinlicherweise durch ein Plakat mit Presseberichten zugehängt ist. Landesfürst Luis Durnwalder, der im Mai noch die Entfernung des Froschs verlangte, weil er die Gefühle der »zu 99 Prozent katholischen Bevölkerung« verletzen könne, spricht sich im Geleitwort des Manifesta-Katalogs nun für eine »Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen künstlerisch-intellektuellen Hervorbringungen« aus, »der manche sich nicht gerne stellen« würden.

Ob sich das mit der überaus heterogenen, einen in ihrer Vielfalt und Masse fast erschlagen­den Super-Schau – wer hat eigentlich Zeit und Muße für sechs Ausstellungsorte in vier Städten, ganz zu schweigen von den zahllosen Rahmenveranstaltungen und Parallel-Events, und Videos von 100 Minuten Länge? – ändern wird, ist fraglich. Auch wenn Kurator Anselm Franke im Online-Kunstmagazin Artnet zu Protokoll gibt, die Zeiten des »anything goes« und der »postmodernden Rhetorik der fluktuierenden Zeichen« in der Kunst seien vorbei, denn es müsse »kraft der Metaphorisierung« wieder »um etwas gehen«, erschließt sich durch die vollgestopfte Ausstellung nicht ganz, was dieses »etwas« sein könnte.

Diese Offenheit, die auch durch die Einbindung international kaum bekannter regionaler KünstlerInnen sympathisch unterstrichen wird, ist so Chance und verpasste Chance zugleich. Wenn in den kahlen Räumen der Franzensfeste nur Soundinstallationen gelesener Texte von Thomas Meinecke, Saskia Sassen, Renee Green, Arundhati Roy u.a., die sich mit dem Warten auf den Angriff auseinandersetzen, sowie stum­me Videofilme – eine der berührendsten Arbeiten der Manifesta ist hier sicherlich Harun Farockis montierte und kommentierte Footage aus dem niederländischen Übergangs-KZ Wester­bork – präsentiert werden, wird so ein konventionelles »Kunst«-Verständnis sicherlich produktiv herausgefordert – wie auch durch die Projektion einer »Night Lecture« der Mobile Aca­demy mit Kulturwissenschaftler Joseph Vogl an die Außenwand des Palazzo delle Poste.

Die stickigen, labyrinthartigen Gänge und Zim­merchen des Postpalastes in Trient, die gleich zum Auftakt mit der Kirchenfensterkunst von Bernd Ribbeck irritieren, wollen dabei zu viel. Die interessant projektierten fünf Minimuseen, wie das Museum der Projektiven Persönlichkeits­tests oder die Hommage an den italienischen Psychiatrie-Kritiker Franco Basaglia, kippen in dem Moment, in dem das Museum der Europäischen Normalität den eurozentristischen Ethnologie-Blick auf derart banale und blauäugige Weise einfach in sein Gegenteil verkehrt, so dass die notwendige Reflexion nur noch als langweiliger Gag figuriert.

In der Manifattura Tabbachi in Rovereto bleibt den einzelnen Werken mehr Luft zum Atmen, wodurch, vor allem im großzügigen Hof, auch auf Showeffekte gesetzt werden kann – gelungen wie bei der großformatigen Flickenteppich-Installation von Fabrics Interseason, etwas bemüht unterhaltsam bei der Ballon-Ansammlung von Ricardo Jacinto, mit der die BesucherInnen immerhin einen halben Meter vom Boden abheben können. Am stimmigsten wirkt letztlich die große Halle des Alumix, in der sich das Raqs Media Collective wieder als Archäologin der Gegenwart hervortut und u.a. mit Arbeiten von Teresa Margolles, Kateøina Šedá und Graham Harwood glänzt.

Als Souvenir bleibt neben den vielen Äpfeln, die vom Land großzügig als regionales Markenzeichen verteilt werden, ein vielschichtiges Kunst-Event, bei dem paradoxerweise haupt­säch­lich die spektakulären, untypischen Austra­gungs­orte in der Erinnerung haften werden.

Die Manifesta, eine der wichtigsten Biennalen für zeitgenössische Kunst in Europa, findet alle zwei Jahre statt und ist eine Wanderbiennale, die jedes Mal an einem anderem Ort stattfindet. Bisher wurde die Großveranstaltung in den Städten Rotterdam, Luxemburg, Ljubljana, Frankfurt und San Sebastian abgehalten. Die Manifesta 7 dauert bis 2. November.

 http://jungle-world.com/artikel/2008/31/22314.html