Archive for the Uncategorized Category

Der Superheld aus Tirol

Posted in Uncategorized with tags , , , , , , on Januar 13, 2009 by Antifa Toscanini

 

Andreas Hofer ist für das Tiroler Nationalbewusstsein eine ewige Knetfigur. Auch 200 Jahre später wird immer noch seines »Freiheitskampfes« gedacht.

von Elisabeth R. Hager

Der Anbruch des neuen Jahres mar­kiert den Startschuss für das »Gedenkjahr 2009«, das an die »Tiroler Volkserhebung« von 1809 und ihren Anführer Andreas Hofer erinnern soll. Die Tiroler Lan­desregierung und die Traditionsvereine – allen voran die Tiroler Schützen – hocken bereits seit Monaten in den Startlöchern, ist das Jubiläum doch eine willkommene Gelegenheit, die Vormachtstellung der Konservativen in Zeiten von Stimmenabwanderung, Après-Ski und Web 2.0 zu sichern. Andreas Hofers Stilisierung zum Freiheitskämpfer ist noch immer tragender Pfeiler für die Konstruktion eines Tiroler Selbst­verständnisses als widerständiges, freiheitsliebendes und katholisches, vorzugsweise die ÖVP wählendes Bergvolk. Darüber hin­aus wird Hofer immer dann aus dem Hut gezaubert, wenn die Diskussion der seit nunmehr 90 Jahren im Raum stehenden »Südtirol-Frage« neu angefacht werden soll.

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Nationbuilding wahnhaft: „Anschluß“ und „Nakba“

Posted in Uncategorized with tags , , , , , on Januar 13, 2009 by Antifa Toscanini

 

Die Erfindung der Österreicher und der Palästinenser als Opfer-Kollektive: Rückblick auf ein Gedenkjahr

GERHARD SCHEIT

Die Trauer über den Tod Jörg Haiders trug in vielerlei Hinsicht surreale Züge. Die im öffentlichen Raum zur Schau gestellte innere Erschütterung hinterließ nicht nur den Eindruck, dass man hier den Abschied von Prinzessin Diana in den Formen des Kärntner Brauchtums nachgespielt hat. „Haider ist unsere Lady Di“, hieß es wörtlich und mit tränenerstickter Stimme. Aber er war eben mehr. So erinnerte das Staatsbegräbnis in Klagenfurt, live im Staatsfernsehen gesendet, zugleich an die Feierlichkeiten, mit denen Jassir Arafat vor einigen Jahren in Ramallah zu Grabe getragen wurde. Bei allen regionalen Unterschieden, die sich in Trachtenkleidern der verschiedensten Alpenregionen ebenso wie in Reminiszenzen ans Dritte Reich niederschlugen (die Kärntner Freiwillige Feuerwehr trug, merkwürdig verfremdet, kleine weiße Wehrmachtshelme), war da in den zahlreichen Interviews und Reportagen ein vergleichbarer Zustand panischer Reaktion und allgemeiner Verwirrung zu beobachten, der Bevölkerung, Massenmedien und politische Repräsentanten [1] einte wie sonst nur ein gemeinsamer Feind. Und darum fehlte auch hier nicht das Gerücht, dass eben dieser Feind dahinterstecken müsse, wenn der geliebte Führer das Zeitliche segnet; dass also der israelische Geheimdienst seine Hände im Spiel habe, wenn der schwer alkoholisierte Landeshauptmann nach dem nächtlichen Diskobesuch in den Tod rast. [2] Sein Ende war in diesem zweideutigen Sinn ein letzter Beweis seiner Volksnähe. Der Wahnsinn, der diese Nation im Innersten zusammenhält, schuf sich dann beim Begräbnis Luft in der Rede des designierten Nachfolgers in der Kärntner Partei. Darin nämlich hieß es unverblümt, Haider sei den „Opfertod für Kärnten gestorben“ (Neue Zürcher Zeitung, 20. 10. 08.).

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Ganz Österreich ist sturzbetroffen

Posted in Uncategorized with tags , , , , , , on Oktober 24, 2008 by Antifa Toscanini

 

Jörg Haider ist tot, und niemand freut sich. Die nationale Trauergemeinschaft Österreich feiert ihn derzeit als großen Staatsmann.

von Stephan Grigat

Dem modernisierten europäischen Rechtsextremismus ist mit Jörg Haider eine Leitfigur abhanden gekommen, weil sie sich volltrunken hinter das Steuer setzte und nach Walhall raste. Seine früheren Konkurrenten, die ihn schon zu Lebzeiten nicht nur beneidet, sondern immer auch ein wenig bewundert haben, üben sich derzeit in »Pietät«, die jedes böse Wort über den Verstorbenen verbiete. Sie kaschieren damit ihre hemmungslose Verklärung und Verharmlosung eines Politikers, dem sie früher nur mit begriffs- und substanzlosen Demokratiebeschwörungen begeg­nen konnten.

Der sozialdemokratische Wiener Bürgermeister Michael Häupl sprach von seinem »Respekt für den Menschen Jörg Haider, für seine Dynamik, seine Kraft und seine Intelligenz«. Der Bundespräsident Heinz Fischer (SPÖ) lobte einen »Poli­tiker mit großen Begabungen« und zeigte sich »tief betroffen«. Der sozialdemokratische Kanzleranwärter Werner Faymann entschied sich ebenfalls für ein »tief betroffen«, während der noch amtierende Kanzler Alfred Gusenbauer ein »sehr betroffen« bevorzugte. Die sozialdemokratische Parlamentspräsidentin würdigte »die große politische Lebensleistung« Haiders. Ähnliche Verlautbarungen kamen von der ÖVP, und auch in den Stellungnahmen der grünen Partei suchte man Wörter wie »Rassismus«, »Antisemitismus« oder »NS-Verharmlosung«, die fast jedem ausländischen Beobachter beim Gedanken an den Spross einer eingefleischten Nazi-Familie in den Sinn kommen, vergeblich.

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Südtirol gedenkt SS-Verbrecher

Posted in Uncategorized with tags , , , , , on September 2, 2008 by Antifa Toscanini

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Die Welt blickt nach Peking und vergisst Darfur!

Posted in Uncategorized with tags , , on August 7, 2008 by Antifa Toscanini

 

Fetisch und Barbarei

Posted in Uncategorized with tags , , , on Juli 31, 2008 by Antifa Toscanini

 

Stephan Grigat über rätekommunistischen Antizionismus in der Jungle World

Der Rätekommunismus formulierte nicht nur eine Kritik am bolschewistischen Parteiverständnis, sondern implizierte auch eine Absage an die mechanistische Erkenntnistheorie Lenins, die Widerspiegelungstheorie. Diese avancierte im Marxismus-Leninismus zur kanonisierten Erkenntnistheorie und wurde neben der Lehre von der Naturdialektik zum zentralen Bestandteil des auf Herrschaftslegitimation abzielenden Sowjetmarxismus. Die gesamte Ideologie-, Bewusstseins- und Erkenntniskritik von Marx schrumpft bei Lenin auf eine der Optik entlehnte, mechanistische Metapher zusammen. Eine frühe Kritik dieser Widerspiegelungs- und Abbildtheorie, wie sie sich in Lenins »Materialismus und Empirokritizismus« findet, lieferte der Linkskommunist Anton Pannekoek. Doch diese Kritik kommt ohne eine konsequente Rückbesinnung auf die Marxsche Wert- und Fetischkritik aus, in der thematisiert wird, warum das Bewusstsein nicht einfach ein Abbild der Wirklichkeit, sondern ein verkehrtes und damit als Praxis auch verkehrendes Bewusstsein ist, ein für die Subjekte selbst richtiges Bewusstsein von einer scheinbar naturgegebenen Gesellschaft, das als falsches Bewusstsein einer falschen Gesellschaft dechiffriert werden kann.

Zwar finden sich in Pannekoeks Schrift »Lenin als Philosoph« Hinweise auf die Marxsche Fetischkritik, in denen er darauf verweist, dass der Mensch sein Denken dem Glauben an mystische höhere Wesen unterwirft, wenn die Produkte seiner Arbeit über seinem Kopf emporwachsen »zu einer Macht, die er nicht beherrscht, die ihm als Ware und Kapital als ein eigenes gesellschaftliches Wesen gegenübertritt, das ihn beherrscht oder gar vernichtet«. Dennoch wäre es falsch zu behaupten, der westeuropäische Linksradikalismus, wie er von Pannekoek, Paul Mattick, Herman Gorter, Otto Rühle oder Rosa Luxemburg repräsentiert wurde, habe sich gerade bei der Rezeption der Marxschen Wert- und Fetischkritik, die konsequent fortgeführt bei einer Kritik der antisemitischen Ideologie landen muss und sowohl das leninistische als auch das rätekommunistische Klassenverständnis in Frage stellt, vom Leninismus grundlegend unterschieden. Die Differenzen zwischen Linkskommunisten und Bolschewisten lagen – von Ausnahmen wie Karl Korsch abgesehen, bei dem die Kritik Lenins und seiner Anhänger mit einer Rückbesinnung auf die Marxsche Kritik von Wert und Fetisch einherging – auf einer anderen, vor allem praktisch-politischen Ebene. In ihrer »Kapital«-Lektüre, mit ihrem Klassenbegriff und ihrem Unverständnis für die Gefahren eines aus der kapitalisierten Gesellschaft selbst erwachsenden antikapitalistischen Ressentiments sind sie über den so leidenschaftlich kritisierten Bolschewismus kaum hinausgekommen.

Die traditionalistische Marxinterpretation und der Klassenkampffetischismus enden in einem linkskommunistischen Antizionismus, mit dem die nachfaschistischen ebenso wie die gegenwärtigen Rätekommunisten ihre Unfähigkeit zu Ideologie- und Staatskritik dokumentieren. Der heute von diversen Zirkeln als Heilsbringer angepriesene Rätekommunismus steht für eine der übelsten antizionistischen Strömungen im gegenwärtigen Marxismus und bekämpft mit seinem Klassengetöse die Kritik der deutschen Ideologie.

Im Insistieren auf einem scheinbar überhistorischen »Grundwiderspruch« zwischen Kapital und Arbeit bei gleichzeitiger Ignoranz gegenüber der nationalsozialistischen Barbarei mit ihrer im Vernichtungsantisemitismus verwirklichten klassenlosen Klassengesellschaft in Form der »Volksgemeinschaft« ist der Linkskommunismus dem leninistischen Marxismus zutiefst verwandt. So verhält es sich auch in den Schriften prominenter Rätekommunisten in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Willy Huhn, der sich bis zu seinem Tod 1970 an fast allen rätekommunistischen Diskussionen beteiligte, bringt ein zentrales Anliegen des Linkskommunismus zum Ausdruck, wenn er eine Äquidistanz bei »innerimperialistischen Konflikten« fordert – und als einen solchen betrachten die meisten rätekommunistischen Strömungen den Zweiten Weltkrieg. Diese Äquidistanz wird nur durch ein vollständiges Abstrahieren vom Antisemitismus möglich. Noch jeder Rätekommunist erklärt einem heute, jene Arbeiter in der US-amerikanischen Rüstungsindustrie, die während des Zweiten Weltkriegs an Streiks und Klassenkampf festgehalten haben, seien mit ihrer Weigerung, sich im »Krieg der Imperialisten« auf eine Seite zu schlagen, völlig im Recht gewesen.

Von solch einem Marxismus hat man sich heute nichts mehr zu erwarten. So wichtig und begrüßenswert der radikale Antinationalismus der Rätekommunisten in den zwanziger Jahren auch war, wer heute einfach an ihn anknüpft, landet zwangsläufig bei jenem Wald- und Wiesenantinationalismus, der mit einer Kritik der Nation schon deswegen nichts gemein hat, weil er die Spezifik des Zionismus nie begreifen kann, jede Fähigkeit zur Differenzierung eingebüßt hat und in seinen konsequentesten Ausprägungen den rechten Geschichtsrevisionismus nicht nur streift.

In Huhns Schriften finden sich abenteuerliche Ausführungen über das »Diktat« des Versailler Vertrags. Die heute in Deutschland aktiven »Unabhängigen Rätekommunisten« halten die Charakterisierung der Niederringung Nazideutschlands als antifaschistischen Waffengang für ein »alliiertes Märchen«, denn die Westmächte seien auch nicht besser als die Nazis gewesen: »Der Rassismus feierte auf allen Seiten Orgien« und war natürlich »ein Instrument zur Mobilisierung der Massen für das große Gemetzel«. Der Vernichtungsfeldzug der Deutschen und ihrer Helfershelfer verschwindet bei diesen Rätekommunisten in der Phrase vom »imperialistischen Krieg« oder dem »Massenmorden auf Kosten der Arbeiterklasse«. Kein Wunder, dass ihnen die Bombardierung der volksgemeinschaftlichen Festung Dresden zu einem Zeitpunkt, als die Deutschen mehr als deutlich gemacht hatten, dass sie sich auch durch Vernichtungskrieg und Massenmord nicht zum Widerstand oder auch nur Protest veranlasst sahen, als »Verbrechen« erscheint.

So wie damals wollen die proletarischen Recken sich auch heute nicht entscheiden müssen, denn der Krieg des Westens gegen die Taliban oder al-Qaida sei nun mal keiner zwischen »Zivilisation« und »Barbarei« und die einen seien nicht besser als die anderen. Solche Leute, die nicht in der Lage sind, zwischen einer wie auch immer kritikwürdigen Zivilisation und einer aus ihr zwar entspringenden, aber eben nicht mit ihr identischen Barbarei zu unterscheiden, sind sich natürlich sicher, dass »es nichts mit einer befreiten Gesellschaft zu tun hat, den Staat Israel und sein Handeln zu verteidigen«.

Die »Rätekommunisten München« haben dem entsprechend am Höhepunkt der islamisch aufgeladenen Terrorintifada zum Boykott israelischer Waren aufgerufen und Veranstaltungen mit der Killertruppe PFLP organisiert. Anhänger des italienischen Linkskommunisten Amadeo Bordiga sehen Auschwitz als einen Völkermord unter vielen und denunzieren den Hinweis auf die Besonderheiten der Shoah als Apologie der bürgerlichen Gesellschaft. Einige französische so genannte Ultralinke, die sich auf Bordiga und die Links- und Rätekommunisten beriefen, sind seit Ende der siebziger Jahre gleich ins Lager der rechten Negationisten übergelaufen.

Leider können sich die heutigen Rätekommunisten auch in ihren faschismustheoretischen Auslassungen auf ihre historischen Stichwortgeber beziehen. Pannekoek schwieg sich über die freudige Beteiligung großer Teile des deutschen Proletariats am Vernichtungswerk aus und sah den Faschismus in der »Politik des Großkapitals« begründet. Die durch den Antisemitismus und das gemeinschaftlich begangene Verbrechen vollzogene Integration der Arbeiterklasse in die Gemeinschaft aller wahren Deutschen konnte ihm gar nicht Gegenstand von Kritik und Reflexion werden, da er nicht gewillt war, seinen an mystische Verklärung grenzenden Glauben an die emanzipativen Kräfte des Proletariats aufzugeben. So erklärt er denn auch die »Volksgemeinschaft« des nationalsozialistischen Deutschland zu einem »Trugbild« und die alliierten Bomber zu Vorboten einer präventiven Konterrevolution gegen den erwarteten »revolutionären Volksaufstand«.

Joachim Bruhn hat in einer »Nachbemerkung zum Rätekommunismus« darauf aufmerksam gemacht, dass sich in Willy Huhns Nachlass Schriften aus den sechziger Jahren über »Rassismus und Faschismus in Judentum und Zionismus«, »Antisemitismus und Nationalsozialismus in Israel« und ähnliche Scheußlichkeiten finden. Bruhns Charakterisierung des Rätekommunismus als linke »Avantgarde der antisemitischen Ideologie« mag angesichts des Ausmaßes und der Qualität des stalinistischen Antisemitismus übertrieben erscheinen; seine Einschätzung, »dass der emanzipative Gehalt des Rätekommunismus zur Neige ausgeschöpft ist«, stimmt aber allemal. Vor der nationalsozialistischen Aufhebung der Klassen in der »Volksgemeinschaft« hatte der Rätekommunismus seine Berechtigung. Doch nach Auschwitz ist er zu einer Strömung im Marxismus verkommen, die nur mehr Verdrängung der Katastrophe mittels Klassenkampfrhetorik betreibt – und daher auch zur Verhinderung der gegenwärtig drohenden Katastrophen nichts beitragen wird.

http://jungle-world.com/artikel/2008/30/22308.html

Saddams Drittes Reich

Posted in Uncategorized with tags , , , on Juni 26, 2008 by Antifa Toscanini

Die Nazi-Wurzeln der Baath-Partei

In der westlichen Welt herrscht der Eindruck vor, dass die Diktatur Saddam Husseins und anderer Despoten in der Tradition des Nahen Ostens begründet war. Deren eine Variante ist autoritär und passiv, die andere radikal und aktiv. Aus dieser Prägung heraus, so denkt man im Abendland, seien auch die so genannten politischen Parteien entstanden, auf die diese Willkürherrscher sich stützen. Die Wahrheit liegt ganz woanders.

Saddam Husseins Regime und die Baath-Partei haben ihre Wurzeln weder in der arabischen noch in der islamischen Geschichte. Sie sind ihrem Ursprung nach europäisch – möglicherweise die einzige erfolgreiche Übertragung europäischer Institutionen und Ideen in die islamische Welt. Die politische Tradition im Islam ist in der Tat autoritär, aber sie ist nicht diktatorisch, sondern im Gegenteil unvereinbar mit despotischer und willkürlicher Herrschaft. Dies spiegelte sich in der Vergangenheit sowohl in der Praxis als auch in der Theorie wider.

Die Amtsgewalt der Sultane und Kalifen alten Stils wurde nicht nur durch die Tradition, sondern auch durch den fest verwurzelten Mittelbau der Gesellschaft beschränkt, wie zum Beispiel die städtische Aristokratenschicht, den Landadel, das Militär und die religiösen Führer. Die Folge der Modernisierung war eine Stärkung des herrschenden Systems, dem nun ein ganz moderner Apparat an Überwachung, Indoktrination und Unterdrückung zur Verfügung stand. Gleichzeitig wurde der Mittelbau, dessen Funktion in der traditionellen Ordnung darin bestand, dem Herrscher wirksame Beschränkungen aufzuerlegen, geschwächt oder sogar beseitigt.

Die Entstehung des Typs von Diktatur, den Saddam Hussein repräsentierte, lässt sich bis zum Jahr 1940 zurückverfolgen. Nach der Kapitulation Frankreichs blieben die französischen Mandatsgebiete Syrien und Libanon unter der Kontrolle der Vichy-Regierung. Das hieß, sie waren dem Einfluss der Nazis ausgesetzt und wurden für deren Propaganda und Aktivitäten zu einem wichtigen Vorposten in der arabischen Welt. Zu den Nachfolgern gehörte die Vorläuferbewegung der Baath-Partei, die sich am Vorbild der Nazis und Faschisten orientierte: ein Großteil der nazistischen und faschistischen Ideologie wurde ins Arabische übertragen und sinngemäß übernommen. Für eine Weile wurde im Irak sogar ein nazifreundliches Regime unter Führung von Raschid Ali al-Gailani eingesetzt. Die Briten und ihre Verbündeten konnten dieses Regime stürzen, Gailani fand Zuflucht in Deutschland, wo er zusammen mit dem Hitler-freundlichen Mufti von Jerusalem bis zum Ende des Krieges blieb.

Die britische und generell die westliche Nachkriegsherrschaft in diesen Ländern blieb allerdings von kurzer Dauer. Das Dritte Reich war vergangen, aber dessen Funktion als Schirm- und Schutzherr der gegen den Westen gerichteten „gerechten Sache“ wurde von der Sowjetunion übernommen. Die Neuorientierung der Baath-Partei weg vom nazistischen Modell hin zum kommunistischen Modell erforderte lediglich geringfügige Angleichungen.

Tatsächlich unterscheiden sich diese Ein-Partei-Regime in ihrer Struktur, ihrer Ideologie sowie ihrer Kampf- und Herrschaftsmethode gewaltig von den islamischen Herrschaftstraditionen – sowohl in der Theorie wie auch in der Praxis.

 

ARTIKEL VON HISTORIKER BERNARD LEWIS